Preisträger 2010/2011

Dr. Hans Christian Reinhardt
Von Genen zur individualisierten Therapie

PD Dr. Hans Christian Reinhardt (34), Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe, und sein Team erforschen neue Krebstherapien, die gezielt die Tumorzellen zerstören, während gesundes Gewebe geschont wird. Dr. Reinhard identifiziert Driver Mutationen, die wesentlich zur Tumorentstehung beitragen. Sie setzen in den Tumorzellen neue Prozesse in Gang, die in gesunden Zellen nicht stattfinden. Die Unterdrückung dieser Prozesse ist für Tumorzellen giftig, während gesunde Zellen dies tolerieren können. Dr. Reinhardt nutzt den Mechanismus der „Synthetische Letalität" bei der zwei Gene voneinander abhängig sind: So kann zwar der Verlust des einzelnen Gens, beispielsweise durch eine Mutation, von der Zelle toleriert werden, aber der gleichzeitige Verlust beider Gene kann für die Zelle tödlich sein. Dr. Reinhardts Team identifiziert solche Partnergene der Driver Genmutationen und unterdrückt die Expression dieser Gene. Die nur in Krebszellen stattfindenden Prozesse werden so gestoppt, die Tumorzelle teilt sich nicht mehr und stirbt im besten Fall ab. Eine solche Therapiestrategie ist hochspezifisch für Krebszellen, denn nur sie tragen die Driver Mutation. Gesunde Zellen werden mit dieser Strategie geschont. Dr. Reinhardt identifizierte kürzliche eine Vielzahl dieser Wechselwirkungen: Unter anderem das synthetisch letale Partnergen der prominenten Tumorsupressorgene p53 und ATM. Das neue Konzept ließ Dr. Reinhardt patentieren. Der Therapieansatz konnte bereits erfolgreich in Mausmodellen getestet werden. Gemeinsam mit einem Pharmakonzern wird es in einer klinischen Studie getestet, die Ende 2010 angelaufen ist.

Professor Dr. Klaus Rajewsky
Mausmodelle zur Entstehung und Therapie menschlicher Tumoren

Professor Dr. Klaus Rajewsky (74) wird für seine Arbeiten zur Entwicklung und Funktion der B-Zellen des Immunsystems, mit der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille 2010/2011 ausgezeichnet. Unter anderem war es ihm in den neunziger Jahren mit Kollegen gelungen, B-Zellen als Ursprungszellen des häufigsten Lymphdrüsenkrebses, des Hodgkin-Lymphoms, zu identifizieren. Zur selben Zeit entwickelte der damalige Professor für Molekulargenetik an der Universität Köln mit seinen Mitarbeitern die konditionale Mausmutagenese, eine Technik, mit der in Mäusen gezielt Gene in bestimmten Geweben und zu bestimmten Zeitpunkten ein- und ausgeschaltet werden können. Biomedizinische Forscher setzen diese Methode heute weltweit ein, um die Funktion von Genen im Körper zu untersuchen. 

Fast 40 Jahre forschte Professor Rajewsky erfolgreich in Köln. Statt mit 65 in den Ruhestand zu gehen, ging er an die Harvard Medical School nach Boston in die USA. Heute untersucht er dort Mechanismen der Entstehung von Krebserkrankungen im Immunsystem und die Bedeutung der microRNAs für die Entwicklung und Funktion des Immunsystems. MicroRNAs sind kleine Moleküle, die aus Ribonukleinsäure bestehen und an der Genregulation beteiligt sind. Ende dieses Jahres wird er ans Max-Delbrück-Zentrum in Berlin wechseln und dort eine neue Arbeitsgruppe aufbauen.

Professor Rajewsky erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Darüber hinaus ist er Ehrendoktor von Universitäten in Paris, Frankfurt und Berlin sowie Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland, darunter der National Academy of Sciences der USA.

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Chronik der Preisträger   317 KB