Aktuelles/Immobilienfinanzierung/Marktanalyse

Spotlight: Innenstadtentwicklung Hamburg

Einblicke aus unseren Märkten

Wie Hamburg die Innenstadt neu denkt

Neue Projekte, gemischt genutzte Quartiere und die Aufwertung öffentlicher Räume verändern die Hamburger Innenstadt. Im Interview berichtet Florian Meyer, Leiter unserer Geschäftsstelle Hamburg, davon welche Entwicklungen er aktuell beobachtet und warum Aufenthaltsqualität zunehmend zum Standortfaktor wird.

 

Mit langjährigem Blick auf die Hamburger Innenstadt: Welche Veränderungen waren in den vergangenen Jahren besonders prägend?

Den stärksten Einfluss hatten die Business Improvement Districts (BIDs), die seit 2005 an der Innenstadtentwicklung mitgewirkt haben. Auch wenn viele Autofahrer die Entwicklung negativ bewertet hatten, ist das Ergebnis wirklich großartig. Im Stadtbild sind wesentlich weniger Autos und insbesondere Außenstellplätze zu erkennen.  Diese sind anderen Nutzungen gewichen und haben damit die Aufenthaltsqualität der Quartiere deutlich verbessert. Und das Ganze wurde durch die Grundstückseigentümer mitfinanziert, die ja zugleich von der Aufwertung profitieren.

 

Projekte wie am Gänsemarkt, NikolaiQuartier oder der Hamburger Hof stehen für den Wandel zentraler Innenstadtlagen. Welche Entwicklungen hältst Du aktuell für besonders richtungsweisend?

Das diese Projekte im jetzigen Marktumfeld überhaupt umgesetzt werden, würde ich als richtungsweisend bezeichnen. Angesichts gestiegener Bau- und Finanzierungskosten sowie der allgemeinen Unsicherheit an den Immobilienmärkten ist das keine Selbstverständlichkeit.

Die Investoren glauben an die Innenstadt und sind bereit, Kapital langfristig hier zu investieren. Mein Herz hängt ein wenig am NikolaiQuartier, wir sind ja direkte Nachbarn und ich verfolge das Vorhaben schon viele Jahre. Auf dem ehemaligen Commerzbank-Areal entsteht dort ein neues Quartier mit Büro-, Wohn-, Hotel-, Gastronomie- und Handelsflächen. Die Lage am historischen Hafen und in direkter Nachbarschaft der Patriotischen Gesellschaft ist einzigartig. Der Neubau kann die Verbindung zwischen Rathausmarkt und HafenCity stärken und damit ein wichtiges Bindeglied zwischen den Stadtteilen schaffen. Ich werde die Entwicklung weiterverfolgen. Vielleicht ergibt sich ja noch die Gelegenheit, diese tollen Objekte zu finanzieren.

 

Warum gewinnen gemischt genutzte Quartiere für die Attraktivität einer Innenstadt zunehmend an Bedeutung?

Das sieht man am besten ab 22 Uhr an der Mönckebergstraße. Tagsüber quirlig belebt, aber am Abend wie ausgestorben. Deshalb gewinnen gemischt genutzte Quartiere an Bedeutung. Wo gewohnt, gearbeitet, eingekauft und Freizeit verbracht wird, entsteht auch außerhalb der klassischen Geschäftszeiten Leben. Dazu gehört aus meiner Sicht auch mehr Wohnen in zentralen Lagen. Erst wenn Menschen dauerhaft in der Innenstadt leben, entsteht die Urbanität, die viele Städte anstreben.

Ein gutes Beispiel ist das Sonnin-Quartier in der City Süd, das sich von einem überwiegend gewerblich geprägten Standort zu einem gemischt genutzten Quartier mit Wohnraum, Grünflächen und weiteren Nutzungen entwickelt hat. Ich habe Anfang der 2000er Jahre meinen Betriebswirt in der City Süd gemacht. Ein reiner Bürostandort und nur wenige Hotels. Am Samstag war der Stadtteil völlig ausgestorben. Das ist heute nicht mehr der Fall. Der Anfang ist gemacht, aber zur Urbanität braucht es noch weiterer Projekte.

 

Welche Rolle spielen Quartiersmanagement und die Zusammenarbeit verschiedener Akteure für den Erfolg eines Standorts?

Aus meiner Sicht ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren für attraktive und zukunftsfähige Standorte. Die Business Improvement Districts  (BIDs) zeigen sehr gut, was möglich ist, wenn Eigentümer, Einzelhandel, Gastronomie, Stadt und Verwaltung gemeinsam Verantwortung übernehmen. Ein gutes Quartiersmanagement bringt die unterschiedlichen Interessen zusammen, koordiniert Maßnahmen und sorgt dafür, dass Ideen auch umgesetzt werden. Letztlich braucht die Entwicklung eines Quartiers nicht nur Investitionen, sondern vor allem Menschen, die an einem Strang ziehen.

 

Wie wichtig werden Themen wie Aufenthaltsqualität, Begrünung und die Gestaltung öffentlicher Räume für die Innenstadt der Zukunft?

Diese Themen werden weiter an Bedeutung gewinnen. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels müssen wir Innenstädte stärker als Lebensräume denken. Begrünte Plätze, Schatten, Wasserflächen und attraktive Aufenthaltsbereiche tragen nicht nur zu einem besseren Stadtbild bei, sondern erhöhen auch die Lebensqualität. Das Stadtklima wird damit zunehmend zu einem Standortfaktor. Menschen halten sich dort gern auf, wo sie sich wohlfühlen, und das wirkt sich letztlich auch positiv auf Quartiere und Immobilien aus.

Gerade Innenstädte müssen Orte sein, an denen Menschen nicht nur einkaufen, sondern auch arbeiten, wohnen und ihre Freizeit verbringen möchten. Aufenthaltsqualität wird deshalb zunehmend zu einem entscheidenden Standortfaktor.

 

Vor welchen Herausforderungen stehen Eigentümer, Investoren und Städte bei dieser Entwicklung?

Die größte Herausforderung besteht darin, die steigenden Anforderungen an Aufenthaltsqualität und Stadtentwicklung mit der wirtschaftlichen Realität in Einklang zu bringen. Viele Eigentümer und Investoren stehen vor sinkenden Marktwerten, einem anspruchsvollen Vermietungsmarkt und hohen Investitionskosten. Gleichzeitig erwarten Nutzer und Städte moderne Gebäude und attraktive öffentliche Räume. Für mich liegt die Herausforderung deshalb darin, ökologische, städtebauliche und wirtschaftliche Interessen so zusammenzubringen, dass langfristig tragfähige Lösungen entstehen. Nur dann kann Innenstadtentwicklung dauerhaft erfolgreich sein.

 

Die Hamburger Innenstadt entwickelt sich weiter, gleichzeitig entstehen neue Quartiere wie das Westfield-Überseequartier in der HafenCity. Wie verändern solche Entwicklungen die Rolle und Positionierung der klassischen Innenstadt?

Ich sehe das Westfield-Überseequartier mit seiner Elbpromenade und den naheliegenden Parks schon als starke Konkurrenz zur Innenstadt. Zugleich zieht es weitere Kunden aus dem Umland und Reisende aus vielen Destinationen an, die sicherlich auch noch einen Abstecher in die Innenstadt machen werden. Entscheidend wird sein, dass die verschiedenen Quartiere ihre jeweiligen Stärken ausspielen und gut miteinander verknüpft werden. Die klassische Innenstadt wird sich dabei noch stärker über Aufenthaltsqualität, Nutzungsmischung und urbane Erlebnisse positionieren müssen.

 

Was können andere Städte von Hamburg lernen?

Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht – jede Stadt hat ihre eigenen Voraussetzungen und Herausforderungen. Hamburg bietet aber viele Beispiele und Erfahrungen, aus denen sich lernen lässt. Deshalb mein Tipp: Kommt vorbei, schaut euch die Quartiere an und sprecht mit den Akteuren vor Ort. Denn überall gibt es Blaupausen und gute Ideen, die vielleicht auch in der eigenen Stadt funktionieren – manchmal angepasst, manchmal fast genauso.

Aus meiner Sicht wird die Zukunft der Innenstadt nicht an einzelnen Gebäuden entschieden. Erfolgreiche Innenstädte entstehen dort, wo es gelingt, lebendige Quartiere mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen und unterschiedliche Nutzungen sinnvoll miteinander zu verbinden.

In dem Zusammenhang einen besonderen Dank an Nicole C. Unger von NCU Immobilien Concept GmbH die einen wesentlichen Anteil an der erfolgreichen Umsetzung der innerstädtischen BID´s hatte. Unser Rathaus Quartier ist super geworden und diese Ansicht teile ich mit vielen Mietern des Quartiers.

 

Auf LinkedIn finden Sie ein paar Impressionen. Teilen Sie dort gern weitere gute Beispiele mit uns.

 

Dieser Beitrag ist Teil unserer Spotlight-Reihe und beleuchtet Perspektiven aus den Teams und Märkten der Deutsche Hypo – NORD/LB Real Estate Finance.