Wie entwickelt sich der spanische Markt für Gewerbeimmobilien?

Ein Marktkommentar von Maite Linares Fernández, Leiterin Repräsentanz Madrid.
Makroökonomisches Umfeld stabilisiert Marktgeschehen
Der spanische Gewerbeimmobilienmarkt präsentiert sich zur Jahresmitte 2026 in robuster Verfassung. Das makroökonomische Umfeld unterstützt weiterhin eine stabile und wachstumsorientierte Entwicklung, geprägt von solider wirtschaftlicher Aktivität und einem resilienten Arbeitsmarkt. Spanien behauptet damit im europäischen Vergleich seine Position als dynamischer Wachstumsmarkt, getragen von einer stabilen Binnenkonjunktur. Diese Rahmenbedingungen bieten eine verlässliche Grundlage für Flächennachfrage, Konsum und Investitionsbereitschaft.
Rekord Investmentaktivität bei anhaltender Nachfrage
Auch auf der Investmentseite spiegelt sich diese positive Grundstimmung wider. Mit einem Transaktionsvolumen von rund 6,3 Mrd. Euro im ersten Quartal 2026 verzeichnete der Markt ein Plus von 93 % gegenüber dem Vorjahr und liegt damit deutlich über dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Aktivität konzentriert sich im ersten Quartal stark auf die Metropolen Madrid und Barcelona, die gemeinsam rund drei Viertel des Volumens auf sich vereinen.
Spanien positioniert sich zunehmend damit als einer der führenden Immobilieninvestmentstandorte in Europa, getragen von einer starken internationalen Nachfrage.
Polarisierung zugunsten hochwertiger Assets
Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Differenzierung innerhalb des Marktes: Die Nachfrage konzentriert sich verstärkt auf hochwertige Assets. Im Premium- bzw. Luxussegment bleibt die Investorennachfrage – auch international – ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Dadurch verstärken sich die Unterschiede zwischen hochwertigen und einfachen Lagen bzw. Produkten.
Büromarkt: Selektives Wachstum in Prime-Lagen
Im Bürosegment zeigt sich ein differenziertes Bild. Während eine flächendeckende Marktdynamik ausbleibt, bleibt die Nachfrage nach hochwertigen Flächen in zentralen Lagen hoch. In Madrid und Barcelona stützen begrenzte Verfügbarkeiten – insbesondere in den CBDs – die Mietentwicklung, wobei Wachstum in alle Submärkte, aber vor allem im Prime-Segment zu beobachten ist. Der Markt entwickelt sich damit zunehmend selektiv und fokussiert sich auf hochwertige Objekte in etablierten Lagen.
Einzelhandel profitiert von Konsum und Tourismus
Der Einzelhandelsmarkt präsentiert sich ausgesprochen stabil. Vor allem High-Street-Lagen profitieren von anhaltend hoher Nachfrage und sehr niedrigen Leerständen. Auch dominante Shoppingcenter und Retail Parks zeigen mit hohen Belegungsquoten eine solide Entwicklung. Treiber bleiben der private Konsum und der weiterhin starke Tourismussektor.
Hotelsektor bleibt Wachstumstreiber
Der Hotelsektor zählt weiterhin zu den dynamischsten Assetklassen. Rekordwerte bei internationalen Besucherzahlen und steigende Ausgaben je Tourist unterstreichen die Attraktivität des Standorts. Der Markt profitiert sowohl von der touristischen Nachfrage als auch von einer unverändert hohen Investorenliquidität.
Logistik: Strukturelle Stärke und steigender Qualitätsfokus
Auch der Logistikmarkt bestätigt seine strukturelle Stärke. Solide Flächenumsätze in Madrid und Barcelona sowie die zunehmende Nachfrage nach modernen, ESG-konformen Flächen bestimmen die Marktentwicklung. Die Verfügbarkeit – insbesondere in Barcelona – bleibt begrenzt und erzeugt zusätzlichen Mietdruck.
Living: Hohe Dynamik und steigende Relevanz
Der Wohnimmobiliensektor hebt sich als die leistungsstärkste Assetklasse hervor. Die Nachfrage übersteigt das Angebot strukturell, gleichzeitig nimmt das Interesse institutioneller Investoren weiter zu – insbesondere in den Bereichen Flex Living, studentisches Wohnen und Senior Living.
Die Umnutzung von Büroflächen gewinnt zusätzlich an Bedeutung, vor allem in Madrid durch gezielte regulatorische Impulse. Insgesamt entwickelt sich das Segment zunehmend zu einer Schnittstelle zwischen wohnwirtschaftlicher Nutzung und gewerblich organisierten Immobilienkonzepten.
Fazit: Stabiler, aber selektiver Markt
Unter dem Strich bleibt der Ausblick positiv, wenn auch differenziert. Spanien profitiert weiterhin von wirtschaftlichem Wachstum, touristischer Stärke und hoher Marktliquidität. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmend selektive Marktentwicklung: Besonders dynamisch entwickeln sich die Segmente Hotel, Einzelhandel, Logistik und Teile des Living-Marktes, während im Bürobereich Qualität und Lage entscheidend sind.
Der spanische Gewerbeimmobilienmarkt zeigt sich damit weniger als homogener Boommarkt, sondern als ein Markt mit klarer Präferenz für hochwertige, nachhaltige und zukunftsfähige Assets in etablierten urbanen Lagen. Gleichzeitig bleibt das Umfeld insbesondere im Hinblick auf geopolitische und makroökonomische Einflussfaktoren von einem anhaltenden Maß an Unsicherheit geprägt.
Markteinblicke basieren auf einem Interview mit Maite Linares Fernández, Leiterin der Repräsentanz Madrid. Die quantitativen Daten stammen von CBRE (Q1 2026).